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OPENSESSIONS

Inter_Aktion – das heißt rausgehen, in Bewegung kommen, Position beziehen und dabei Möglichkeiten, Grenzen und Spielräume konkret erfahren. Konzeptionell im »Dazwischen« von Werkstätten, Exkursionen und Performances verortet, bieten OpenSessions als dezentrale und interaktive Formate die Gelegenheit, sich den verschiedenen Dimensionen von pädagogischen Orten und erzieherischen Hilfen zu nähern. Die OpenSessions sollen auf dem FH-Campus mit all seinen Möglichkeitsräumen, Besonderheiten und/oder Barrieren stattfinden (bei schlechtem Wetter werden Innenflächen/Innenräume bereitgehalten).

Theaterspieler*innen des Improtheaters Potsdam nehmen als stille Beobachter*innen an den einzelnen Formaten teil und setzen ihre dabei gewonnenen Eindrücke als improvi- siertes »Produkt« am letzten Veranstaltungstag in Form eines Feedback-Theaters kreativ in Szene.

 

INHALTE DER OPENSESSIONS

OpenSession 01

Auf der Bühne aus der Reihe tanzen – Wer bin ich vor Gericht?

Das familiengerichtliche Verfahren als Rechtsraum, als Bühne, auf der unterschiedliche Akteur*innen mit ihren Rollen, ihrer Betroffenheit und ihren professionellen Aufgaben beteiligt sind: Wer ist hier wer? Wer tanzt wo und wie? Wer wird wie wahrgenommen und gehört? Wer bestimmt, wo es lang geht? Wie ist die Choreografie – passen Gesetz und Umsetzung in der Praxis zusammen?

Es soll darum gehen unterschiedliche Aufgaben kennenzulernen und Perspektiven einzunehmen und dabei die Bedeutung des Raums und der Anordnung im Raum für die Wirkung von familiengerichtlichen Verfahren und Entscheidungen wahrzunehmen.

Gastgeber*innen: Diana Eschelbach (Juristin und freie Referentin für Kinder- und Jugendhilferecht, Berlin), Ingo Socha (Familiengericht Lübeck)

OpenSession 02

»All-inclusive« – gibt es »nichtbehindert« überhaupt?

Als die große Schwester die kleine Schwester fragt, die von Geburt an im Rollstuhl sitzt: »Sag mal, willst Du gar nicht laufen können?«, da antwortet die kleine Schwester spontan: »Nee, bestimmt nicht! Ich weiß doch gar nicht, wie ihr die Kurven dreht und auf so zwei kleinen Füßen würde ich umfallen!«

Denken Sie auch, dass die Unkenntnis von Menschen über das, was das Leben mit Behinderung angeht, auch ein zentraler Grund für die Benachteiligung von Menschen mit Behinderung ist? Vermisst ein blind geborener Mensch den Regenbogen? Leidet ein Kind mit mentaler Beeinträchtigung unter seinem »Nichtverstehen«? Seien wir mal ehrlich zu uns selbst: Lassen wir uns auf die Wahrnehmung des Gegenübers ein oder denken wir überwiegend defizitär und in Kategorien des Mitleids?

Lassen Sie sich durch unser kleines Projekt bzw. unseren Parcours auf Selbsterfahrung ein! Tauchen Sie ein in eine andere Perspektive, werden Sie zum wahren #Inkluencer!

Gastgeber*innen: Kerstin Held (Bundesverband behinderter Pflegekinder), Thomas Vieten (Neukirchener Erziehungsverein), Boris Wellssow (Diakonie Düsseldorf)

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OpenSession 03

»Öffentliche Geborgenheit« in Pflegefamilien: Ein Experiment mit Mitteln des Theaters

An was denkst Du, wenn Du an »Familie« denkst? An Geborgenheit? Liebe? Schutz? Oder an schmerzhafte Missverständnisse und nervende Rituale? Oder gar an einen Tatort? Und an was denkst Du, wenn Du an »Pflegefamilie« denkst? An ein Kind und Pflegeeltern, die es aufnehmen? An Geschwister? An Sozialpädagog*innen? Und deren Vorgesetzte?

Und, ach ja (fast vergessen): an die leiblichen Eltern? Oder, ganz anders: an Arbeitskreise und Fachkonferenzen? An Bindungstheorie? An Medien? Den Bundestag? An Staatsanwälte? Pflegefamilien sollen Kindern »ein warmes Nest bieten«, eine sichere Bindung, möglichst optimale Entwicklungsbedingungen. Aber Pflegeeltern und Kinder sind nicht die einzigen, die in dieser Gemengelage (durchaus berechtige) Interessen haben. Teilweise sind diese gegensätzlich und nicht immer offen ausgesprochen. Wir suchen nach Widersprüchen und wollen mehr von dem sichtbar machen, was sonst vage bleibt. Wir spielen mit Klischees, verbinden diese mit Erfahrungen, spitzen zu, führen ad absurdum. Vorerfahrungen im Theaterspiel sind nicht nötig – nur die Lust, dies auszuprobieren.

Gastgeber*innen: Carmen Thiele (PFAD Bundesverband), Carsten Exner (Motiviva)

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OpenSession 04

Kann Heimerziehung Sozialraumorientierung − Kann Sozialraumorientierung Heimerziehung?

Die beiden Fachgruppen der IGfH zur Heimerziehung und zu Integrierte Hilfen wollen in offener Runde mit den Teilnehmer*innen über Sinn und Unsinn der Sozialraumorientierung in der Heimerziehung leidenschaftlich diskutieren. Von der Definition des Begriffs »Sozialraumorientierung« über Verortungen von stationären Hilfen im sozialen Raum bis hin zu Chancen, Grenzen und Transzendenz über den konkreten Ort hinaus, streiten wir uns über Realitäten und Zukunftsentwürfe. Wer mitstreiten will, springt mit ins Haifischbecken und folgt unserer Einladung zu einer Fishbowl-Diskussionsrunde. Zum gleichen Thema findet vertiefend eine Werkstatt am zweiten Veranstaltungstag statt.

Gastgeber*innen: Michael Wantschura (heilpädagogisch-psychotherapeutische Kinder- und Jugendhilfe), Olaf Hopfgarten (Jugendamt Erfurt), Felix Keil (Radebeuler Sozialprojekte gGmbH), Christian Bull (Schabernack – Zentrum für Praxis und Theorie der Jugendhilfe)

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OpenSession 05

Virtuelle Erfahrungsräume – eine digital-performative Campusbegehung am Beispiel TikTok

Der Begriff des »Virtuellen« wird häufig in Abgrenzung zum Realen oder Physischen verwendet. Dies übersieht, dass unser Alltagshandeln längst zu einem hybriden geworden ist, das beständig digitale und physische Aspekte verbindet und miteinander in Einklang bringt. In der OpenSession versuchen wir das Phänomen in digital-performativer Weise erfahrbar zu machen, indem wir uns den Campus über die App TikTok aneignen. Wir lernen die Besonderheiten und Faszinationsmomente kennen, die die umstrittene Mobilanwendung auf Kinder und Jugendliche ausübt, und experimentieren mit den einhergehenden kreativen Ausdrucksmöglichkeiten. Ziel der Session ist es, selbst und in Gemeinschaft erste praktische (Medien-)Erfahrungen mit diesem Jugendphänomen zu machen, um eine informierte Haltung einzunehmen, die es erlaubt, Einsatzszenarien für die erzieherischen Hilfen zu entwickeln.

Gastgeberin: Prof. Dr. Judith Ackermann (FH Potsdam)

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OpenSession 06

Gute Orte für kleinere Kinder

Welche Merkmale hat ein Ort, an dem junge Kinder sich wohl fühlen, an dem sie in ihrer Entwicklung unterstützt werden und an dem familiale Kompetenzen ergänzt werden? Nach einer Einführung in Merkmale bester Fachpraxis für junge Kinder zur Alltagsgestaltung, wählen die Teilnehmer*innen einen der Merkmalsbereiche »Mahlzeiten«, »Tagesgestaltung«, »Körperpflege« und »Ruhe« sowie Entwicklungsbereiche wie u. a. »Bewegung«, »Sprache und Kommunikation«, »sozialemotionale Entwicklung« aus. In daran anschließenden »Geh-Sprächen« prüfen die Teilnehmer*innen die Innen- und Außenbereiche des Campus der FH Potsdam daraufhin, wie gut sie den Anforderungen an einen guten Ort für junge Kinder entsprechen. Welche Veränderungen für Kinder unter drei und für Kinder von drei Jahren bis Schuleintritt wären wünschenswert?

Danach kommen alle zusammen und entwerfen in »wachsenden Gruppen« den Kinder-Wunsch-Campus.

Gastgeberin: Prof. Dr. Irene Dittrich (FH Potsdam)

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OpenSession 07

Perspektiven auf Gute Orte des Aufwachsens im Heim

Was können Erziehungshilfen heute leisten, wenn es um gute Orte für ein erfolgreiches Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen außerhalb der Herkunftsfamilie geht? Wie kann es beispielsweise gelingen, eine verlässliche Gemeinschaft zu erzeugen und die Familien der jungen Menschen gut einzubeziehen? Wie können Bedingungen entstehen, die junge Menschen wirklich heimisch werden lassen? Wie geht das mit der Mitbestimmung und einem Bündnis zwischen den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, das auf die Dauer angelegt ist? Brauchen wir so etwas nicht, damit das Leben in einer Wohngruppe als Gewinn erlebt und genutzt werden kann? Diese und weitere Fragen wollen wir genauer betrachten. Auch unter Einbeziehung aktueller Befragungen junger Menschen wollen wir uns miteinander dazu austauschen.

Gastgeber*innen: Prof. Dr. Hans-Ullrich Krause (ASH Berlin/Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg), Sylvia Kopp (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Brandenburg)

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OpenSession 08

Vom pädagogischen Ort zum »House of Dreams« – Care Leaver im Übergang

Ausgehend vom Alltag junger Menschen werfen wir in dieser OpenSession Schlaglichter auf wichtige Aspekte des Weges aus der stationären Hilfe in ein eigenständiges Leben als junge Erwachsene. Gemeinsam mit Care Leavern wollen wir ein Haus gestalten, das sinnbildlich für einen gelungenen Prozess des Übergangs steht - für einen Übergang, der den Bedürfnissen junger Menschen gerecht wird und Raum für ihre Träume schafft. Nach einem Eingangs-Impuls zeichnen, malen und bauen die Teilnehmer*innen in einem gemeinsamen kreativen Prozess an diesem »House of Dreams« für Care Leaver.

Gastgaber*innen: Ulrike von Wölfel (Kinder- und Jugendhilferechtsverein Dresden), Britta Sievers (IGfH Care Leaver Projekte)

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