Grafik Jahrestagung mit Text

FACHFOREN

INHALTE DER FACHFOREN

Forum 1

Subjektives Erleben von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien für die Weiterentwicklung »guter Orte«

Lange Zeit war die Sicht der Adressat*innen sowohl für die Praxisweiterentwicklung als auch für die Forschung der Heimerziehung eher unterrepräsentiert. Aktuell wird zunehmend die Notwendigkeit gesehen, diese Lücken zu schließen und der Perspektive von Kindern, Jugendlichen und ihrer Familien ein zentraler Stellenwert für die Weiterentwicklung der Praxis stationärer Erziehungshilfen zugeschrieben. Durch die Sichtbarmachung der Adressat*innenperspektive können Verstehensprozesse angeregt werden, die für das Fallverstehen und für Organisationsentwicklungsprozesse von »guten Orten« bedeutsam sind.

Mit Blick auf zentrale Forschungsbefunde wird das Forum Anforderungen für bedarfsorientierte Erziehungshilfen diskutieren. Zudem werden erste Ergebnisse der Beteiligungswerkstätten des »Zukunftsforums Heimerziehung« aufgegriffen, um die von Eltern und jungen Menschen aufgestellten Forderungen zur Weiterentwicklung der Heimerziehung einzuordnen und nach ihren Konsequenzen zu befragen.

Prof. Dr. Nicole Knuth, Fachhochschule Dortmund

Forum 2

Erziehungshilfen als relationales, sozialräumliches Helfen

Raum ist Beziehung! Diskutiert wird der Zusammenhang von Sozialraumorientierung und Inklusion, Isolation und sozialer Unterstützung. Wie könnte das etablierte individualistische Hilfeverständnis zur einer relationalen, d.h. sozialen Vorstellung des Helfens weiterentwickelt werden, in dem es nicht primär um Veränderung, sondern eher um Verbindung geht? Lassen sich die Erziehungshilfen als Arbeit mit bestehenden und möglichen potenziellen Beziehungen denken, die zum Dreh- und Angelpunkt einer vernetzenden und versammelnden »Hilfe« werden? Wie kann eine Soziale Arbeit auch im Kontext der Erziehungshilfen aussehen, die sich nicht in der instrumentellen Bearbeitung von Problemen erschöpft, sondern diese als Gelegenheiten begreift, um Menschen miteinander in Verbindung zu bringen?

Relationale Sozialarbeit setzt auf Vernetzung, Beteiligung und gemeinschaftliche Unterstützung und versteht die Beziehungen ihrer Adressat*innen als Werkzeug und Wirkung relational angelegter Hilfeprozesse. Lassen sich Erziehungshilfen in diesem Sinne als pädagogische Orte denken und welche methodischen Konsequenzen sind daraus zu ziehen?

Prof. Dr. Frank Früchtel, Fachhochschule Potsdam

Forum 3

Erziehungshilfen − von guten Arbeitsorten zu lohnenswerten Lebensorten?

Die Erziehungshilfen haben in den letzten Jahren eine hohe Dynamik entfaltet, blickt man auf die Zunahme der Fallzahlen, die Differenzierung der Leistungen und die Fachdiskurse etwa zur Beteiligung, zum Kinder schutz oder zur Inklusion. Kaum einmal wird jedoch nach den Arbeitsbedingungen von Fachkräften in den Erziehungshilfen gefragt, also nach den Voraussetzungen und Arrangements, unter denen bzw. in denen Fachkräfte ihre Arbeit gut gestalten können. Und zwar so gut, dass diese Arbeitsorte zu lohnenswerten Lebensorten für junge Menschen und ihre Familien werden. Fachkräfte beraten, begleiten, fördern und sichern das Aufwachsen von jungen Menschen im Kontext ihrer Familien oder an Lebensorten mit Elternkontakten.

In diesem Forum soll explizit nach Be- und Entlastungsfaktoren für Fachkräfte in den Erziehungshilfen gefragt werden. Hierzu werden theoretische und empirische Zugänge genauso präsentiert wie ausgewählte Praxiskonzepte einer belastungssensiblen Organisationsgestaltung.

Prof. Dr. Dirk Nüsken, Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Bochum